Hilfe, mein Hund kann nicht alleine bleiben!

Ein schlimmer Aha-Moment für alle Hundebesitzer: „Ich kann meinen Hund nicht alleine lassen“. Ich kenne diesen Moment, denn wie ich in meinem Artikel „Die Trennungsangst meines Hundes“ beschreibe, kam dieser Moment relativ schnell nach dem Einzug unserer Hündin Seven. Sie bellte fast ununterbrochen, wenn wir nicht zuhause waren. Die damalige Situation war für uns nicht hinzunehmen. Vordergründig natürlich, weil wir nicht wollten, das Seven leidet, aber ehrlich gesagt auch, weil wir dadurch unsere komplette Freiheit verloren. Uns war klar, dass unserer Hund ab und an auch alleine bleiben soll und wir standen vor dem Problem, vor dem du wahrscheinlich gerade stehst. Ich weiß dementsprechend sehr gut, in welcher Situation du dich befindest und was für Fragen du hast. Also fangen wir an:

Warum kann mein Hund nicht alleine bleiben?

Trennungsangst beim Hund ist eine Panikstörung, die ca. 20% der Hunde betrifft. Vergleichbar ist die Trennungsangst mit Angststörungen des Menschen. Der Hund ist ein Rudeltier und benötigt soziale Kontakte. Grundsätzlich ist es für jeden Hund höchst unnatürlich, alleine zu sein. Der Hund stammt vom Wolf ab, der ein Rudeltier ist. Das Alleinesein des Wolfes ging mit einer erhöhten Lebensgefahr einher. So ist es also nicht verwunderlich, dass ein Hund, der alleine gelassen wird, Angst hat. Er fühlt sich nicht mehr sicher. Vielen Hunden kann man glücklicherweise recht schnell beibringen, dass diese Angst unbegründet ist und dass sie auch alleine sicher zuhause sind. Es gibt jedoch Hunde, die unter sogenannter Trennungsangst leiden. Wie diese entsteht ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Es gibt jedoch Hinweise, dass negative Vorerfahrungen, wie z.B. ein häufiger Besitzerwechsel, Tod in der Familie oder Misshandlungen negativ Einfluss auf die Entstehung von Trennungsangst bei Hunden nehmen können. Außerdem wird noch geforscht, ob es eine Art genetische Prädisposition für eine Trennungsangst beim Hund gibt, also ob die Trennungsangst beim Hund erblich bedingt sein könnte.

Aktuell wird angenommen, dass die Trennungsangst beim Hund eher ein Syndrom anstatt eine Diagnose darstellt. Der Unterschied zur Diagnose liegt beim Syndrom darin, dass der Grund ein anderer ist – das Syndrom ist nur der Ausdruck dessen. Vergleichbar ist dies z.B. mit Kopfschmerzen. Diese sind auch keine Diagnose, sondern ein Syndrom – eine Diagnose wäre in diesem Fall beispielsweise Migräne oder Verspannungen.

Wie äußert sich Trennungsangst beim Hund?

Aktuell wird in der Forschung von 4 Gruppen der Trennungsangst bei Hunden ausgegangen (hier findest du den dazugehörigen Forschungsartikel):

Gruppe A – ich nenne sie „die Frustrierten

ist die kleinste Gruppe. Von den Hunden mit Trennungsangst machen sie ca. 17,4% aus. Es handelt sich hierbei um Hunde, die Aversionen gegen das aktive Verlassen des Menschen haben und diese z.B. durch die Zerstörung von Möbeln ausdrücken. Die Hintergründe dieser Gruppe sind nicht vollständig geklärt, man nimmt jedoch an, dass es sich in vielen Fällen um Hunde handelt, die darauf gezüchtet wurden, eine Gruppe zusammenzuhalten (z.B. Schäferhunde). Das Verlassen eines Herdenmitglieds (in diesem Fall du als Mensch) könnte dementsprechend ein Trigger sein, auf den der Hund reagiert. Diese Gruppe stellt eine Sonderform dar und fällt nicht unbedingt in das Cluster „Trennungsangst“. Solltest du einen Hund haben, der wirklich extreme Aggressionen zeigt, sobald du aus der Tür gehst, hole dir bitte unbedingt Hilfe von einem Verhaltenstherapeuten für Hunde.

Gruppe B – ich nenne sie „die Follower

stellen mit 29% schon einen deutlich größeren Anteil der trennungsängstlichen Hunde dar. Diese Hunde empfinden Frust, wenn sie alleine sind und zeigen typische Trennungsangst-Symptome, z.B. in Form von Bellen. Sie wollen unbedingt bei ihrem Menschen sein und haben auch innerhalb der Wohnung Probleme, den Menschen aus den Augen zu lassen – sie folgen ihm überall hin und wollen am liebsten sogar mit unter die Dusche. Sie verhalten sich allgemein jedoch selbstbewusst und in der Natur nicht ängstlich. Diskutiert wird diese Form auch häufig unter „Kontrollverlust“ .

Gruppe C – ich nenne sie „die Ängstlichen“ .

Dies betrifft 35,6% der trennungsängstlichen Hunde. Diese Gruppe sind die typischen Trennungsangst-Hunde. Sie haben Angst und Panik davor, alleine zu sein, was sich im Bellen, Zerstören, Urinieren oder sogar in Selbstzerstörung äußern kann. Diese Form kann sich aber auch in absoluter Stille äußern – die Hunde leiden dann ganz leise und fressen beispielsweise nicht, wenn sie alleine sind. Sie sind nicht frustriert, sondern haben wirklich große Angst und Panik. Wenn sie könnten, würden sie sofort aus dem Haus rennen, um nicht mehr alleine sein zu müssen (das sieht man häufig auch an zerkratzten Türrahmen). Sie brauchen sehr viel Unterstützung und Förderung ihres Selbstvertrauens durch den Besitzer und verhalten sich in der Natur auch häufig ängstlicher als andere Hunde.

Gruppe D – ich nenne sie „die Gelangweilten“ .

In der Forschung betrifft dies die Hunde, die nicht in die ersten drei Kategorien passen. Mit 18% machen sie einen kleineren Anteil der trennungsängstlichen Hunde aus. Meistens handelt es sich um Hunde, deren Bedürfnisse nicht erfüllt wurden. Sie wurden z.B. kognitiv und physisch ihrem Alter entsprechend nicht genug ausgelastet und suchen sich Beschäftigung, wenn sie alleine sind (dabei hält dann häufig das Mobiliar her).

Konntest du deinen Hund bereits zuordnen? Jetzt kommt die gute Nachricht: Gruppen B-D können von meinem Online-Kurs profitieren. Je nach Gruppe sind die Fortschritte in der Regel schneller zu erreichen oder dauern etwas länger.

Achte auch diese Symptome, wenn dein Hund alleine bleiben soll.

Wie oben beschrieben, gibt es vier verschiedene Arten, wovon in diesem Kurs Gruppe B bis Gruppe D abgedeckt werden. Um festzustellen, ob dein Hund zu einer dieser drei Gruppen gehört, achte bitte auf folgende Symptome (eines reicht bereits – es müssen nicht alle erfüllt sein!):

  • Dein Hund bellt, heult, jault oder weint exzessiv, wenn du nicht zuhause bist (Achtung! Sollte dein Hund zu Beginn ein wenig jaulen, sich dann aber hinlegen und entspannt schlafen, handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um Trennungsangst. Beobachte sein Verhalten bitte mit einer Kamera).
  • Dein Hund zeigt destruktives Verhalten, obwohl du ihn physisch und mental ausgelastet hast.
  • Dein Hund verrichtet sein Geschäft im Haus – das tut er aber nur, wenn du nicht da bist (obwohl du vorher mit ihm draußen warst).
  • Die Ausgangstüren oder -fenster sind zerkratzt.
  • Dein Hund hechelt stark, wenn du nicht zuhause bist, läuft unruhig durch die Wohnung oder kommt nicht zur Ruhe.
  • Er verletzt sich selbst, indem er z.B. seine Pfoten wund kaut.
  • Du hast deinem Hund Futter hingelegt oder Spielzeug und er rührt es nicht an.
  • Du bemerkst, dass seine Pfoten schwitzig sind, wenn du zurück kommst.
  • Er freut sich exzessiv und kann sich kaum beruhigen, wenn du nachhause kommst.
  • Sobald er sich dann jedoch beruhigt hat, schläft er völlig erschöpft für längere Zeit.

Du bemerkst schon: Du musst deinen Hund filmen, um wirklich alle Symptome zu überprüfen.

Wenn du keine Kamera hast, ist das nicht schlimm – du kannst sie entweder günstig im Internet erwerben oder du nimmst einfach ein Tablet und installierst eine App (z.B. ivideon – in der Basisversion sogar kostenfrei). Das reicht auf jeden Fall, um die Symptome zu erfassen.

Auf Instagram gebe ich viele kostenfreie Tipps zum Thema Trennungsangst beim Hund. Darüber hinaus habe ich ein Mini-Training für dich erstellt mit drei wichtigen Schritten und Tipps bei Trennungsangst beim Hund.

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