SturmFrei!-Teilnehmerin Timea über den Trennungsstress ihres Hundes.

In der heutigen Podcast-Folge spreche ich mit meiner ehemaligen SturmFrei!-Teilnehmerin Timea über den Weg, den sie mit Gigi und seinem Trennungsstress gegangen ist. Timea erzählt darüber, wie sie festgestellt hat, dass Gigi nicht nur Stress hat, wenn er alleine ist, sondern bereits, wenn sie nicht da ist und Gigi bei anderen Menschen bleiben soll. Außerdem geht sie darauf ein, wo die beiden jetzt stehen und was ihnen geholfen hat, dorthin zu kommen.

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Larissa: Hallo und schön, dass ihr dabei seid bei einer neuen Folge. Das wird eine ganz besondere Folge. Ich habe nämlich meine Sturmfreiteilnehmerin Timea an Bord und wir wollen uns heute mal darüber unterhalten, wie der Weg von ihr und Gigi so aussah. Das war nämlich nicht immer ein ganz einfacher Weg. Heute haben die beiden aber 70 Minuten erreicht und wir wollen dich einmal mit so ein bisschen auf die Reise von Timea und Gigi nehmen. Timea, ich freue mich riesig, dass ihr hier seid oder dass du hier bist und ein bisschen über euren Weg erzählst. Magst du dich einmal ganz kurz vorstellen und auch erzählen, wie du ein Gigi zueinander gefunden habt?

Timea: Ja, hallo Larissa. Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung zum Podcast. Also ich habe mich auch sehr geehrt gefühlt, als du mich gefragt hast, dass ich hier teilnehmen darf. Genau, ja, ich bin Timea, ich bin 27 und wohne in Köln und arbeite im E-Learning-Bereich und ja, wie bin ich an Gigi gekommen? Gigi ist ein wie man will, typischer Corona-Hund, also den habe ich mir angeschafft im Juni 2020. Der Wunsch, der war aber schon länger da, also ich hatte auch äh einen anderen Hund, da kann ich vielleicht auch gleich noch kurz was zu erzählen zu meinen Hunden, die ich früher so hatte. Gnau und dann ist der Wunsch halt immer mehr herangereift, weil ich jetzt Homeoffice hatte eigentlich seit März 2020 und das eigentlich so der beste Zeitpunkt war für so was. Ja, ich habe mich dann durch verschiedene Tierschutzorganisationen gewühlt und dann eine gefunden, die eben Hunde aus Rumänien vermittelt und ja, bin ein bisschen blauäugig auch rangegangen, habe dann eigentlich nur nach den Fotos geguckt und die Beschreibung war auch recht spärlich. Also da stand nur er ist recht offen gegenüber Menschen, also weil er keine Angst hatte jetzt vor den Untersuchungen zum Beispiel. Und ich meine, da stand auch, dass er sozialverträglich ist. Ja, dann hatte ich ihn im Juni 2020 adoptiert, aber quasi so eine Art Pflegestelle mit Rückgabeoption, also das war quasi so, du hast den Hund und nach zwei Wochen kannst du sagen, ich behalte ihn oder nicht, aber wenn ich ihn nicht behalten möchte, bin ich so lange noch Pflegestelle, bis ich jemanden finde, weil für mich war wichtig, dass er sich mit meinen anderen Hunden, die bei meiner Mutter wohnen, auch versteht, weil die auch manchmal bei mir zu Besuch waren. Genau und über seine Vergangenheit weiß man gar nichts. Also der Verein arbeitet mit einem kleineren Shelter in Rumänien und die holen quasi die Hunde aus einem großen Shelter und ja, da weiß man einfach nichts über die Vergangenheit. Und er ist jetzt irgendwas zwischen 3 und 4 Jahre alt.

Larissa: Du hast ja gesagt, dass du schon vorher auch andere Hunde hattest. Konnten die Hunde alleine bleiben?

Timea: Ja genau, also ich hatte mit dreizehn meinen ersten Hund, das war der Lucky, ein Sheltie und mit 15 den zweiten der Giotto und beide hatten gar keine Probleme damit. Also ich habe das auch gar nicht so richtig trainiert. Also ich habe natürlich so Bücher und dann so von wegen ja und dann gehst du mal fünf Minuten raus, mal zehn Minuten aber das war irgendwie von Anfang an kein Problem und der konnte auch oder beide konnten auch acht Stunden oder noch länger, was natürlich auch nicht gut ist, aber manchmal kam’s halt mal so vor, vor allem, weil wir dann zur Schule gehen, meine Mutter gearbeitet hat und deswegen für mich war das auch damals immer so nicht verständlich, wenn Leute gesagt haben, ja, wenn du einen Hund hast, dann schränkst du dich so ein. Du bist nie flexibel und das war für uns nie ein Thema. Wir konnten immer spontan irgendwo hin. Wir konnten ja auch zu egal wem abgeben, auch wenn die die Menschen nicht kannten. Die waren einfach fein damit und ich weiß noch, mein Freund, der meinte so, ja, er hat Sorgen, sich einen Hund zu holen, dann seien wir nicht mehr flexibel. Und ich sagte ihm: Ach, man findet immer eine Lösung und mach dir keine Sorgen. Das wird klappen. Jeder Hund kann alleine sein. Ja. Und dann kam Gigi. Genau, dann kam Gigi und genau, Lucky ja war halt – Zwölf als wir Gigi bekommen haben und er war halt auch sehr krank, deswegen lebte er bei meiner Mutter und nicht bei mir. Früher wollte ich auch immer ihn irgendwann zu mir nehmen nach Köln, aber weil wir keinen Garten haben und so ist er quasi bei meiner Mutter geblieben. Also für Leute, die sich wundern, du hattest ja einen Hund, warum hast du dir einen geholt? Das war der Grund.

Larissa: Und als dann zu dir kam, du hattest ja gesagt, du hast es mit den anderen ja auch im Minutentakt aufgebaut, wie bist du das Thema angegangen und wann war so der Moment, als du gemerkt hast: Das läuft hier nicht so wie bei den anderen Hunden, die du hattest. Da ist irgendwie ein schwerwiegendes Problem dahinter, beziehungsweise lernt er das einfach nicht so, wie du es kanntest von den anderen Hunden?

Timea: Also zuerst muss man wissen, dass der Tierschutzverein auch so Infos mitgegeben hatte, was ist, wenn der Hund einzieht und da stand auch drin: Lasst den Hund von Anfang an alleine, dass er von Anfang an weiß, das ist nichts Schlimmes. Und bei Gigi war das aber so, der war super super schissig. Und als wir zuhause angekommen sind, hat er sich keinen Zentimeter richtig bewegt und in der Wohnung auch sowieso nicht. Ich war ihm auch egal. Also wenn ich aus dem Raum gegangen bin, der war einfach so klein und verkrochen in seiner Ecke, dass ich dachte, ja komm was soll ich jetzt rausgehen, das würde ihn eh nicht interessieren. Genau und dann dachte ich ja, das das wird schon irgendwann. Aber mit der Zeit, als die Bindung halt stärker wurde, habe ich da gemerkt, na ja der folgt mir irgendwie schon ganz schön viel und dann war das auch so das erste Mal, als ich irgendwie die Wohnzimmertür mal irgendwie geschlossen habe, dass er dann auf einmal super nervös wurde, an der Tür gekratzt hat und auch so irgendwie gejault hat. Das hat sich so wütend angehört. Mhm. Und dann dachte ich so, huch was ist das jetzt für eine Reaktion? Genau und da habe ich halt auch gedacht, gut dann fange ich jetzt mal an mit dem Training und wirklich dieses minutenweise, so ich gehe jetzt mal eine Minute raus, also aus dem Wohnzimmer und dann zwei Minuten und so weiter. Ja, hat aber nicht so gut geklappt. Das Problem war auch, dass er eigentlich oder ja genau ich glaube zwei, drei Wochen später sollte er eigentlich eine halbe Stunde mal kurz alleine sein, weil ich musste zur Uni um einen Studentenausweis abzuholen war das glaube ich und ich dachte, bis dahin trainiere ich das und habe mir so einen kleinen Plan gemacht, dass ich die Zeiten bis dahin verlängere. Ja. Was mit einem normalen Hund auch geklappt hätte, denke ich mal. Ja, nur da eben nicht. Genau und ja, du hast nach meinen ersten Ansätzen gefragt, ja, das war eben dieses klassische Verlängern. Und ich weiß nicht mehr, wie ich das geschafft habe, aber irgendwie habe ich’s geschafft, dass er dann quasi nicht mehr jaulend vor der Tür stand, sondern nur noch wartend vor der Tür lag und das war für mich schon so ein oh ja, der kann alleine bleiben. Ich musste dann ein anderes Mal auch nochmal zur Bibliothek um ein Buch abzuholen, weil ich hatte da meine Masterarbeit geschrieben und bin dann hingeradelt und also insgesamt wär’s auf eine halbe Stunde gewesen. Habe dann, als ich an der Bibliothek angekommen bin, so nach zehn, 15 Minuten mal auf die Kamera geguckt und gesehen, dass da irgendwie so was Zerfetztes lag und mein Freund reinkommt und auch irgendwie so „Gigi was ist das denn?“ Ja und der hatte da irgendwie so ein Kabel zerbissen, das war neben der Tür eingesteckt. Genau, also was ich nicht erwähnt hatte, mein Freund war auch da. Er war im Schlafzimmer, im Homeoffice, nur ich konnte Gigi nicht bei ihm lassen, denn er hätte da durchgehend gewinselt. Genau, jedenfalls, ja, hat er dieses Kabel dann entdeckt und ich stand dann da in der Bib und dachte, Gott, was ist denn da los? Bin ja irgendwann wieder nach Hause gefahren.] Und genau das war Ende September 2020 und da dachte ich mir, ja gut, jetzt muss ich wirklich mal eine Trainerin holen oder einen Trainer, weil irgendwie klappt’s ja nicht mit den Methoden, die man so anwendet. Ja, Trainerin war da. Ja, ihre Ansätze waren diese klassischen auch. Ich weiß noch, das Erste, was sie gesagt hatte, war: Warum schaust du den immer an? Also ich weiß nicht, ob du diese Situation kennst, dir sitzt ein Trainer gegenüber. Du erzählst von deinem Hund und ich habe dann den Hund angeguckt, als ich von ihm besprochen habe und dann meinte sie, ja, schau sie mal an, du gibst ihm zu viel Aufmerksamkeit. Also meine Aufgabe war eigentlich, ihn fast nur zu ignorieren, wenn dann nur draußen also draußen die Aufmerksamkeit geben, aber drinnen dann vielleicht nur, wenn ich irgendwie aktiv auf ihn zugehe, aber sonst nicht. Ja, nicht dieses ständige Anschauen. Wenn er mir dann hinterher läuft, soll ich ihm quasi so blockieren, wenn er bellt, weil ich wenn ich die Tür zumache, soll ich ihn ausschimpfen und ja das Motto war so ein bisschen, ja: Wenn ich den Hund halt so ein bisschen mehr ignoriere und mich um mich kümmere, dann löst es sich so quasi von alleine. Das hat natürlich nicht geklappt. Genau und dann war ich natürlich auch wieder ein bisschen verzweifelt, habe Geld ausgegeben, aber es klappt nicht. Da habe ich weiter recherchiert und ja, dann bin ich auch auf den Begriff der konditionierten Entspannung gestoßen. Und auch die Desensibilisierung und habe auch Videos gesehen und dachte mir aber so, boah dieser Hokuspokus mit Musik und mit Düften arbeiten und was ist das denn und das also es klang für mich total befremdlich, weil ich dachte, mein Gott, ein Hund machst halt die Tür zu, der ist alleine, also wofür muss man dann so was noch machen? Klang auch super zeitaufwendig einfach. Ich hatte dann auch gelesen, ja, bei manchen Hunden kann das irgendwie drei bis sechs Monate dauern, bis das klappt und ich dachte schon, Gott na ja habe dann aber im Endeffekt im Oktober, also ungefähr einen Monat, nachdem diese Trainerin da war, mir ein Buch gekauft von Ziemer und Falke, das entspannt allein und da habe ich gesagt, gut, dann versuche ich das doch jetzt einfach mal so.
Es hat tatsächlich geklappt. Also ich hatte auch so ein kleines Trainingstagebuch und genau habe dann von Oktober an bis März 2021 eigentlich trainiert und bin sogar an die 60 Minuten gekommen im März. Also das ging erst mal richtig gut. Also natürlich mit Auf und Abs. Aber da habe ich gemerkt, okay, dieses schrittweise Arbeiten, dass du in Entspannung bleibt, konditionierte Entspannung, Desensibilisierung, das ist schon der richtige Weg für uns.

Larissa: Da waren wir auch schon vernetzt. Ich erinnere mich daran. Ich erinnere mich auch daran, dass du in deiner Story geteilt hast, dass du mit der konditionierten Entspannung startest. Ja und wir hatten ja auch schon einmal zu der Zeit gesprochen.

Timea: Genau. Ja. Das hatten wir auch mal. Also wir kennen uns da auch schon etwas länger.

Larissa: Genau und dann hast du da gute Fortschritte eigentlich erzielt? Wie ging’s dann weiter?

Timea: Ja, wie ging’s dann weiter? Da war so eine blöde Phase. Irgendwie kam sehr viel auf einer auf einmal zusammen. Also genau, ich hatte ja meine Masterarbeit geschrieben, die fing ich an im Januar so ungefähr. Dann ist mein Hund Lucky verstorben, ja dem ging’s halt sehr schlecht, bin dann in die Heimat gefahren, also es stellte sich dann mit der Zeit raus, ja gut, der der wird jetzt versterben langsam, also zwei Wochen war ich dann in der Heimat und die auch sehr sehr schwer waren einfach emotional und dann auch noch mit der Masterarbeit. Wobei die habe ich dann auch erst pausiert. Und natürlich habe ich dann ja nicht trainiert. Also das ist ja auch eine andere Umgebung bei meiner Mutter. Ja gut, dann ist Lucky Anfang April, also Karfreitag tatsächlich verstorben und eine Woche später ist auch noch mein Opa verstorben also in Ungarn lebt er und dann sind wir davon auch noch Ende Mai zur Beerdigung geflogen. Und genau und das emotional plus nach Masterarbeit und ich hatte einfach keine Kraft und ich dachte mir: Was soll’s. Ich mache jetzt eine Pause, beziehungsweise ich hab’s da teilweise noch halbherzig versucht. Also ich weiß nicht, man hat dann irgendwann auch so einen Frust und dann wenn’s dann nicht klappt, dann denkt man so, ach Mann, ich werde das jetzt einfach doch irgendwie durchziehen, weil da hat’s ja das letzte Mal geschafft also soll ihr das verdammt noch mal jetzt auch noch mal schaffen und habe dann auch nicht mehr richtig oft auf die Stresssignale geachtet und bin das einfach so ein bisschen übergangen und dann irgendwann war’s dann auch so, ja ich bin aus der Tür raus. Und sofort als ich die Tür aufgemacht habe, ist er schon aufgesprungen und ja das das wurde einfach von mal zu mal schlimmer und dann habe ich’s, wie gesagt, gelassen. Und habe dann auch gesehen, ja, ich glaube im Juni hast du die erste Sturmfreigruppe angefangen und dann habe ich das gesehen und dachte mir: Das könnte ja vielleicht doch was sein und das war für mich so der Gedanke ja gut, dann pausiere ich das jetzt, aber könnte vielleicht mit SturmFrei! später da doch nochmal durchstarten.

Larissa: Ja. Und da bist du Mitte Juli durchgestartet. Bevor wir darauf eingehen, bei Gigi war’s ja auch so, also ich unterscheide ja Trennungsstress, beziehungsweise Trennungsstress als Überbegriff und dann einmal Isolationsstress, ergo, der Hund kann einfach nur nicht alleine bleiben, hat aber jetzt kein Problem damit, bei anderen Menschen zu sein. Und die
klassische Trennungsangst, wo der Hund wirklich fixiert ist auf ein bis ja maximal manchmal zwei Personen und wirklich schon massiv in Stress gerät, wenn diese Personen nicht da sind. Und das war ja bei dir auch ganz, ganz krass der Fall mit Gigi, also der hatte ja massiv Stress, wenn er zum Beispiel nur bei deinem Freund bleiben sollte, obwohl ihr ja zusammen wohnt, also dein Freund ist ja auch eine Bezugsperson für ihn, aber er war ja schon immer wirklich Turbo im Stress, wenn nur du gefehlt hast sozusagen. Magst du das nochmal ein bisschen erzählen, bevor wir starten mit Sturmfrei?

Timea: Ja, genau. Wir wohnen zusammen, er mag meinen Freund, der ist ja Bezugsperson Nummer zwei, die mögen sich auch sehr gerne, aber die machen natürlich nicht so viel zusammen wie wir, aber dennoch, bei anderen Menschen oder ja Hunden reicht das schon, wenn sie die Person kennen. Bei uns war das aber so, ihm war’s egal, dass jemand anderes da war. Er war einfach gestresst und hat gehechelt, gewinselt, gejault, also da gibt’s auch Aufnahmen wo da wirklich wie ein Wolf da geheult hat. Und wirklich wenn ich da meine zwei drei Stunden weg war, war er da einfach durchgehend diese zwei, drei Stunden gestresst und dann habe ich immer nur Nachrichten bekommen, ja ich habe Kopfschmerzen von diesen Winseln und ja das war einfach für mich nicht schön, weil ich mich einfach nicht entspannen konnte und natürlich für die beiden war’s auch nicht schön, weil die auch unter Stress waren. Es war teilweise so, dass ich dann überlegt habe, gut ich nehme Gigi jetzt mit, zum Beispiel zu Freunden oder so oder in ein Restaurant, wenn ich mit Freunden essen gehe. Das war im Endeffekt weniger Stress, es ist auch Stress, aber weniger Stress, als wenn ihr mit meinem Freund zu Hause bleibt. Muss man sich mal vorstellen. Das Gleiche war auch bei meiner Mutter. Da ging’s teilweise etwas besser, weil sie ja noch da die anderen Hunde hatte. Ja, aber genau, das war sehr schwierig und ich habe mich immer gefragt, ja gut, andere können ihre Hunde dann irgendwo abgeben oder es heißt immer, ein Hund soll ja nicht alleine bleiben, wenn er Trennungsangst hat. Aber bei mir war’s ja so, ich kann ihn ja nicht mal abgeben. Also ich war ja wirklich wie in so einem Gefängnis, kann man schon fast sagen. Hätten wir nicht Corona gehabt, dann weiß ich auch nicht. Also das war irgendwie für mich gut, dass man einfach nichts machen konnte, weil sonst hätte ich mich immer entschuldigen müssen.

Larissa: Ja, das ist auch einfach superhart und vor allem hast du dann ja auch häufig die Situation, du möchtest dich irgendwo auch gerne mitteilen, weils einfach super belastend ist, wenn man in einer Situation ist und dann findet man da nicht so richtig den Anklang oder das Verständnis von anderen Menschen, die damit noch nie Berührungspunkte hatten, was irgendwo auch nachvollziehbar ist, weil ich denke mittlerweile, wenn man nie in einer Situation war, dann kann man das auch einfach nicht wirklich nachvollziehen, aber es ist dann immer doppelt hart, finde ich, wenn man dann eben noch irgendwie blöde Sprüche von außen bekommt.

Timea: Ja total. Also das das ist auch immer dieses ah der kann immer noch nicht alleine sein und ja also vor allem von Nicht-Hundemenschen, aber auch von Hundemenschen. Was auch immer ein bisschen schwierig ist sind immer diese gut gemeinten Tipps also ich bin ja auch auf Instagram sehr aktiv und wenn dann Menschen schreiben, ja, hast du schon mal eine Schleckmatte versucht oder einen Kong und ich denke mir so „Nein also natürlich, ich habe alles versucht“ und ich weiß, die Leute meinen’s nur lieb, aber wer nicht in diese Situation steckt, der kann das einfach nicht nachvollziehen, wie belastend das einfach ist und wie viel man schon ausprobiert hat und wenn dann so was kommt, dann hat man das Gefühl, die Leute nehmen einen nicht ernst oder denken, man hat einfach keine Ahnung.

Larissa: Ja, absolut. Genau und dann seid ihr in SturmFrei! gestartet und wir haben eigentlich einmal ja bei null angefangen. Magst du einmal erzählen, was so die ersten Schritte für dich waren und wie es einfach auch für dich war, auf einmal in einer Community zu sein von Leuten, die dich eben verstehen, weil ich weiß, dass das für dich einer der Hauptbeweggründe war eben auch in SturmFrei! zu starten.

Timea: Ja genau, also ja für mich war das so, dass ich ja eigentlich wusste, wie man das angeht. Wir hatten ja, wie wir eben sagten, schon mal Kontakt gehabt und einmal telefoniert und da habe ich auch schon festgestellt, ja gut das was du da oder was dein Programm ist, das weiß ich ja irgendwie, aber ich habe doch immer wieder Rückfragen. Also ich brauche einfach eine Person, der ich Fragen stellen kann, die auch Ahnung davon hat. Plus dieser Support der anderen Menschen, weil ich wusste, ey nochmal ein halbes Jahr, weil das damals war das ja schon ein halbes Jahr Training, bis ich sich zu der Stunde gekommen bin und ich wusste, es wird noch mindestens eine lange Zeit auf mich zukommen und da dachte ich, das schaffe ich jetzt nicht nochmal alleine. Also deswegen hat mir das auch so zugesagt, weil du hattest damals ja auch nur Einzelcoachings angeboten hast und ich dachte, ja gut, SturmFrei! hilft mir besser, als wenn ich dann eine Ansprechperson habe aber doch wieder alleine trainiere. Wenn ich immer wieder mich mit Menschen austauschen kann. Ich hatte nämlich auch in der Vergangenheit immer wieder mal mit Freunden oder also Hundefreunden geschrieben, die auch ähnliche Probleme hatten und da wusste ich schon, das hilft mir. Genau und da haben wir ja bei Punkt null angefangen. Aber ich habe das Gefühl, wir sind durch die ersten Phasen relativ gut durchgekommen und ich habe auch gemerkt, dass das Training der Vergangenheit nicht ganz umsonst war, also da ist schon was hängengeblieben bei Gigi. Was aber komplett neu war, war die konditionierte Entspannung. Also wir hatten damals so das Spotify-Playlist. Ich weiß nicht, ob die wirklich geholfen hat. Aber der Relaxopet, das war wirklich gut. Ich glaube, diese immer wiederkehrende Melodie, die hat sich irgendwie bei ihm verankert. Also ist wirklich so, ich mache den an und der legt sich in sein Körbchen. Sogar, wenn er bei meiner Mutter ist oder mit Mark, hatte ich das auch schon eingesetzt. Das hat ihm dann wirklich geholfen, in die Entspannung zu finden. Genau, ja und hatten wir auch das Thema mit diesen, also das wissen die Zuhörer nicht, aber man muss ja sich einen Entspannungsraum aussuchen, wo der Hund dann dauerhaft dann alleine ist und bei uns war das nochmal die Schwierigkeit, da also wir haben eine Drei-Zimmerwohnung. Und da wollte Gigi anfangs ins Schlafzimmer. Ja, haben wir dann diesen Raum aufgebaut und dann ging das auch ganz gut und haben uns aus dem Raum entfernt, Tür zugemacht. Und sind dann aber so stecken geblieben oder so ein bisschen rückwärts gegangen, dass die Zeit immer weniger wurde, weil er aufgestanden ist und ich dachte, was hat er denn? Wenn ich die Tür dann aufgemacht habe, ist er ins Wohnzimmer rüber. Also er wollte nicht zu mir, sondern einfach einen anderen Raum. Und deswegen ja es war auch recht ungewöhnlich, ich glaub wenige oder eigentlich niemand bis dahin hatte so was auch, aber genau, dann haben wir den Entspannungsraum vom Schlafzimmer aufs Wohnzimmer verlagert und
ab da ging es eigentlich. Also da ging’s richtig gut und da habe ich nochmal gemerkt, weil der da in der Vergangenheit das ja so verknüpft hatte, auch mit dem Wohnzimmer. Ja, konnten wir da relativ schnell die Zeiten verlängern.

Larissa: Ja, das war echt ein Knackpunkt. Also normalerweise sage ich immer, versuche etwas aufzubauen und möglichst wenig danach daran zu verändern, weil durch jede Veränderung bringt man auch wieder eine gewisse Unsicherheit mit ins Training rein, aber da haben wir in dem einen Q&A drüber gesprochen und auch nochmal geschrieben und beide überlegt, okay, machen wir das jetzt, machen wir’s nicht. Okay, komm, wir machen’s. Wir probieren’s jetzt einfach und das war echt ein guter Move. Also das hat ihm total gut geholfen und danach ging das richtig gut bergauf beim Alleinbleiben. Da ging’s ja sogar schneller bergauf, als wenn er bei anderen Menschen bleiben sollte. Da hatte er ja zu dem Zeitpunkt noch weiterhin Schwierigkeiten.

Timea: Ja genau, also ja das war irgendwie das das Komische. Wir haben dann zwei Dinge versucht. Das eine dann, wie gesagt, auch die konditionierte Entspannung und das andere ist das Thema Medikamente. Ja. Genau, bei uns war’s so, dass Gigi auch Anfang Oktober letzten Jahres eine Geräuschangst entwickelt hatte. Da ist irgendwie so ein Güterzug bei uns im Park gefahren und der hupt dann und das hört man auch sogar bis zu uns nach Hause teilweise und vor dieser Hupe hat er halt Angst und da war er irgendwie immer auf der Hut draußen. Und drinnen halt sehr oft auch angespannt, weil, wenn ich dann gegangen bin, war halt großes Theater. Und dann dachte ich, das geht so irgendwie nicht weiter. Der ist immer auf diesem Stresslevel und ich weiß nicht, wie ich den da jetzt runterkriege. Genau und bin dann an eine sehr, sehr nette ähm ja Verhaltenstherapeutin geraten. Die ist Tierärztin und eben auch Hundetrainerin. Und genau arbeitet eben mit ja so Medizin also humanmedizinische Medikamente, also Psychopharmaka. Ich hatte damals, muss ich wohl sagen, auch anderes probiert. Also Bachblüten, dann hatte ich, Adaptil, dann hatte ich Baldrian, also alles Mögliche, auch Sedarom, das ist so ein freiverkäufliches Beruhigungsmittel. Irgendwie hat einfach nichts geklappt und alle meinen, ja probier doch das und das, aber ja wie gesagt, hat nicht gewirkt. Ich würde aber auch sagen, jeder Hund, der so ein Thema hat, da kann man erst mal gucken, ob so was klappt, was Pflanzliche ist. Also jetzt nicht direkt auf Psychopharmaka stürzen, aber ja, bei uns hat das alles halt im Endeffekt nicht geholfen, aber wohl die Psychopharmaka und genau da hat er aber auch Blutabnahmen bekommen. Also es wird auch wirklich medizinisch dann auch begleitet, ob wir mit der Nebennierenrinde und den Cortisolwerten etwas nicht stimmt. Das wird dann auch geprüft. Genau, aber da war alles okay bei Gigi und ja, dann hatte er zweierlei bekommen. Das eine nennt sich Alprazolam, das ist etwas, was man eher kurzfristig einsetzt, aber auch mal über mehrere Wochen einsetzen kann. Das ist quasi so ein Angstblocker. Dass der Hund dann in solchen Situationen bekommt, wie er bleibt mit meinem Freund zu Hause oder bei dieser Geräuschangst, dass es hilft nicht so sehr gestresst zu sein, sondern ja noch auf so einem Level zu sein, dass er noch Futter annimmt zum Beispiel. Und da haben wir gemerkt, ja mit meinem Freund zum Beispiel, er war natürlich jetzt nicht komplett sediert und chill, aber er kam viel schneller zur Ruhe und ging zu meinem Freund aufs Sofa, also schneller aufs Sofa als sonst. Ja und hat nicht mehr gehechelt zum Beispiel. Und so ist es uns gelungen, aus dieser Stressspirale auszubrechen. Genau und das hatte ich dann jetzt vier Wochen verabreicht und dann acht Wochen ausgeschlichen. Also man muss das wirklich so ganz, ganz, ganz kleinteilig ausschleichen, weil wenn er zu abrupt aufhört, dann wird der Hund irgendwie noch rückfällig. Ja, da ist die Umstellung zu doll. Genau und das andere ist das Fluoxetin, das ist ein Antidepressivum und das also jetzt laienhaft erklärt, wie die Verhaltenstherapeutin mir das erklärt hat. Es hilft, den Serotonin-Spiegel irgendwie höher zu halten und dadurch wenn Cortisol ausgeschüttet wird, wird dieses wiederum schneller abgebaut. Und ja, ich habe auch wirklich das Gefühl, eigentlich ist es auch so, dass Gigi viel, viel schneller zur Ruhe kommt. Der braucht auch nicht mehr so Aufladetage, sage ich mal, also wenn er einen Tag Stress hatte, war es früher so, der muss sich einen Tag dann mindestens ausruhen oder zwei Tage und jetzt finde ich, also jetzt ist es nicht mehr so und was auch noch ist, ich habe echt das Gefühl, dass diese Medikamente wirklich auch uns geholfen haben beim ganzen Trennungsangstweg. Deswegen klappt das Training denke ich auch so gut, weil er einfach nicht mehr in diesem Stress war.

Larissa: Ja genau. Zum Thema Medikamente: Es ist halt ganz ganz wichtig zu sagen, also es gibt ja viele Menschen, die auch einfach ein bisschen Angst davor haben, weil sie sagen, so ich will meinen Hund ja nicht hier betäuben. Und der Gedanke ist total nachvollziehbar, aber tatsächlich unbegründet, weil
man arbeitet wirklich sehr eng da mit einem Tierarzt oder einer Tierärztin zusammen. Ihr hattet das ja zum Beispiel auch, dass ihr es ja Gigi gegeben habt und dann hast du bemerkt, okay, er hat nicht so viel Appetit und dann habt ihr ja die Dosierung nochmal reduziert und ja, sowas ist halt super wichtig und wie du schon sagst, also diese Medikamente ersetzen kein Training, aber sie bringen den Hund in die Lage, ein Training anzunehmen und dass das Training auch fruchten kann und dass man halt auch Fortschritte machen kann. Und gerade bei euch, du hattest das ja angesprochen, da kam ja noch diverse andere Themen dazu, Geräuschsensibilität, die ja sich auch wieder auf das Training auswirken, weil der Hund ist ja ein Gesamtpaket sozusagen, also ein System, das kann man ja alles nicht so isoliert voneinander betrachten, das ist jetzt das Thema Alleinbleiben, das ist das Thema Hundebegegnungen und das ist das Thema der Zug, der vorbeifährt. Sondern wenn der Zug vorbeifährt und Gigi ist im Stress, dann geht er natürlich mit einem relativ hohen Stresslevel schon in das Training rein und entsprechend fällt’s dann natürlich schwerer in die Entspannung zu kommen und Fortschritte im Alleinbleiben zu machen. Von daher war das eine super sinnvolle und gute Entscheidung von dir eben, da noch medikamentös zu unterstützen, zusammen mit der Tierärztin und hat ja auch dazu geführt, dass wir nicht nur weiter Fortschritte gemacht haben, sondern dass er eben auch das sehr viel besser akzeptieren konnte bei anderen Menschen zu bleiben.

Timea: Ja, ich würde auch da nochmal gerne ganz wichtig betonen, also dass wirklich Medikamente, die ersetzen kein Training, also die Verhaltenstherapeutin hat auch mir nochmal erzählt, sie hatte auch Kunden oder Patienten, die haben ihrem Hund dann ja die Medikamente gegeben und gesagt, ja, der kann jetzt alleine bleiben. Dann haben sie es abgesetzt und oh Wunder, der Hund konnte wieder nicht alleine bleiben, weil die nicht trainiert haben. Also das funktioniert nur in dieser Kombination und ja muss man sich immer vor Augen halten und ich verstehe auch natürlich die Angst vor Medikamenten und deswegen sage ich auch probiert auf jeden Fall erst mal diese freiverkäuflichen Mittel, Baldrian, was auch immer. Vielleicht hilft das auch oder CBD-Öl hatte ich zum Beispiel auch schon versucht, aber hat nicht geklappt. Ja, aber es bringt den Hund auch nicht um und das gebe ich jetzt auch nicht für immer. Also das ist jetzt eine gewisse Zeitspanne. Sie meinte so sechs bis acht Monate macht man das. Ich denke, wir machen das weniger, aber wir werden mal sehen.

Larissa: Also mehrere Meilensteine in dem Training. Und dann, wir haben ja gerade gesagt, du bist vom Schlafzimmer oder Gigi ist vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer gewechselt. Ziemlich zum Ende deiner SturmFrei!-Zeit haben wir dann noch mal beide Räume geöffnet. Wie war das?

Timea: Ja genau das war ja wirklich noch die letzten zwei Wochen und dann fiel mir wieder auf, also er hat so Phasen, ich weiß nicht warum, aber er liegt zum Beispiel am liebsten abends im Schlafzimmer. Wenn wir jetzt irgendwie im Wohnzimmer sind, Fernsehen gucken, geht der irgendwann um spätestens neun rüber. Aber auch so manchmal tagsüber und dann dachte ich so boah, was mache ich denn jetzt? Aber ich glaube, es macht am meisten Sinn, einfach beide Räume aufzubauen, weil einfach wenn ich jetzt in der Zukunft sage abends, hey, ich möchte jetzt weg und Gigi liegt aber im Schlafzimmer, wenn ich den dann ins Wohnzimmer rüberfrachten würde, dann wäre der unruhig. Das kann ich jetzt schon sagen. Also ist es besser, wenn ich da jetzt schon anfange und da war ich tatsächlich letzte Woche auch 40 Minuten draußen. Also im Schlafzimmer ist er noch nicht so weit, aber vierzig Minuten und das war das erste Mal, dass ich so lange draußen war. Also einmal zehn Minuten und seitdem dann diese 40 Minuten, das war schon eine Leistung. Richtig gut. Genau und im Wohnzimmer eben siebzig.

Larissa: Du sagst es, also ihr habt das danach angefangen im Schlafzimmer aufzubauen, so was kann man machen, vor allem wenn der Hund das eben auch so deutlich zeigt. Es ist aber ein Trugschluss zu sagen, okay, in dem Zimmer schafft er automatisch genauso lange wie in dem anderen. Von daher supergut, dass du da gesagt hast, okay, du gehst da noch mal kleinschrittig ran. Du holst ihn da nochmal ab, wo er ist, im Wohnzimmer bleibst du schon länger weg, das kennt er. Da bist du sicher mit der Stunde zum Beispiel oder heute 70 Minuten und im Schlafzimmer ziehst du dann die Zeit ein bisschen nach.

Timea: Ja genau, also ich habe da im Schlafzimmer zuerst auch ihn einfach so allein gelassen und dann meistens so mit Schlüsselreizen und so weiter und gemerkt, ja das klappt. Wie gesagt einmal die zehn Minuten gemacht und dann einmal diese vierzig, weil ich gemerkt habe, hey, der pennt, der lag wirklich so aufm Rücken. Ihm ist es wirklich egal.

Larissa: Das sind supergute Fortschritte, die ihr da gemacht habt. Kannst du sagen, was für dich so der Knackpunkt im Training war?

Larissa: Also aus SturmFrei! sind das so zwei Dinge. Das eine ist wirklich diese Checkliste. Also man hat in SturmFrei! ja Phasen und an jeder am Ende jeder Phase ein Checkliste – zum Beispiel der Hund kann so und so viel Minuten im Raum alleine sein, der Hund reagiert nicht mehr auf diese und jene Geräusche.
Und das hat mir immer geholfen, auch wenn ich die Punkte immer alle abgehakt habe, aber trotzdem nochmal ja in mich zu gehen, zu überlegen, kann er das wirklich, bin ich wirklich bereit in die nächste Phase rüberzugehen und nicht sehr zu rushen, weil das war bei mir früher häufig so, wenn ich alleine trainiert habe, immer das Problem, dass ich dann nicht ganz auf meinen Hund geachtet habe, weil ich so ehrgeizig war und auch ein bisschen frustriert und dachte, ja das kann er schon. Ich mache jetzt mal weiter. Und da wird man wirklich nochmal gebremst, um zu gucken, hey, mach langsam. Das hat wirklich geholfen und das andere ja ist ja die konditionierte Entspannung, wie ich eben schon meinte. Dass ich den zum Beispiel bei meiner Mutter einschalten kann oder bei meinem Freund und das dann wirklich der Hund ruhig bleibt, wenn ich gehe und eine andere Sache, ja, waren dann eben auch die Medikamente, die waren dann auch wieder dieser Knackpunkt.

Larissa: Denke ich auch. Also die Medikamente haben definitiv Gigi auch noch mal geholfen, aber vorwiegend tatsächlich das Training, was du gemacht hast, weil du auch einfach jemand bist und warst, der immer weitergemacht hat. Also egal, es gab mal auch zwischendurch natürlich Rückschritte, gibt’s bei jedem und du hast einfach immer weitergemacht. Hast dir natürlich auch mal eine Pause gegönnt so, aber bist immer dran geblieben und das ist einer der Erfolgsfaktoren bei euch auf jeden Fall.

Timea: Ich muss auch sagen, irgendwie für mich gibt’s auch keine andere Option, weil ich denke mir so ich habe jetzt diesen Hund, ich werde ihn auch nicht abgeben. Dafür liebe ich ihn viel zu sehr. Mir bleibt nix anderes übrig, also für mich, seitdem ich ihn habe, die anderthalb Jahre war für mich das immer Prio Nummer 1 bei allen Baustellen, die wir haben. Und deswegen bin ich da auch so fleißig, auch wenn super viele meinen, ja, ich ziehe mal einen Hut vor dir. Danke, aber ich habe keine andere Wahl. So und ja, es hat sich ja ausgezahlt.

Larissa: Ja und das ist auch das, das ist so der Blick ja auf das gesamte Hundeleben. Du hast jetzt eine gewisse Zeit trainiert, aber du hast viel länger davon gut. Und hast dann ein entspanntes Leben mit ihm, wenn du jetzt einmal richtig investierst und das hast du gut gemacht und mit Erfolg. Wo steht ihr jetzt? Mein Stand ist 70 Minuten außer Haus, wenn er im Wohnzimmer ist. Innerhalb der Wohnung zwei bis drei Stunden – da hast du ja schon immer gut verlängert, also eine gute Vorarbeit für die Außer-Haus-Abwesenheiten geleistet. Wo steht ihr genau, wo willst du hin mit ihm?

Timea: Ja genau, also ja, wie jetzt schon mehrfach gesagt, heute die 70 Minuten und wenn ich dann Homeoffice mache, also ich bin dann im Schlafzimmer. Und im Wohnzimmer und ja wie du sagtest, irgendwas zwischen zwei und drei Stunden, also durchschnittlich, sagen wir mal zweieinhalb und da, ja, versuche ich die Zeit auszudehnen. Ja und perspektivisch ist mein Ziel schon drei bis vier Stunden am allerliebsten vier bis 5 und idealerweise, dass wenn man jetzt mal abends rausgeht, zum Beispiel man ist um 19 Uhr, 20 Uhr ausm Haus und kommt um 2, 3 Uhr nach Hause. Das wäre mein Traum. Ich weiß nicht, ob das realistisch ist, aber ich denke mir, wenn der Hund eh pennt nachts ist das vielleicht nochmal eine andere Sache, aber tagsüber ja, wie gesagt, so um die vier Stunden wären schon gut. Und ich glaube bis zwei, zweieinhalb Stunden werden wir auch relativ gut vorankommen und ab da könnte es schwierig werden, eben weil er da immer so ein bisschen unruhig wird. Aber ich glaube, sobald er’s hinkriegt, während Homeoffice mehrere Stunden allein zu sein. Ich glaube, dann wird’s auch klappen, wenn ich rausgehe.

Larissa: Genau, das haben wir auch besprochen, dass wir da in seiner Strategie nochmal arbeiten, beziehungsweise weißt du ja, wie du’s machst.

Timea: Und Gigi bleibt auch, was ich noch nicht erwähnt habe, mittlerweile entspannt mit meinem Freund zu Hause, also ich habe aktuell noch bis Ende April zweimal die Woche Eislaufen und da ist er drei Stunden mit ihm abends alleine und das ist wirklich komplett entspannt, also der schläft da teilweise wirklich, dass war früher unvorstellbar und da liegt er einfach auf der Seite und pennt.

Larissa: Wahnsinn, oder? Ich erinnere mich noch daran, vor ein paar Monaten, da warst du, glaube ich irgendwie nur in der Stadt oder so und es war einfach ein Drama. Also er kam überhaupt nicht zur Ruhe. Es war einfach für alle Beteiligten einfach nur schlimm und jetzt ist es einfach so entspannt.

Timea: Richtig, ja das ist wirklich, also das kann man sich gar nicht vorstellen, aber da fällt mir wirklich ein Riesenstein vom Herzen, dass das einfach geht.

Larissa: Gut, wir kommen so langsam zum Ende der Podcast-Folge. Gibt es irgendwas, was du Menschen mit Trennungsstress-Hunden mitteilen möchtest, was du ihm mit auf den Weg geben möchtest?

Timea: Ja, zwei Sachen oder drei Sachen. Das eine ist auf jeden Fall, dass man sich Verbündete suchen soll. Also gerade in Zeiten von Instagram, Social Media ist das ja richtig gut, also auch vor SturmFrei! konnte ich mich connecten. Es sind auch tatsächlich immer wieder viele auf mich zugekommen und das hilft finde ich total, wenn man merkt, man ist nicht alleine. Trennungsangst ist echt, es ist nicht die Schuld von einem, sondern der Hund hat einfach ein Problem damit und dann ist es auch gut, wenn man ’ne geeignete Trainerin irgendwie sucht, aber das ist immer so ’ne Sache, weil sehr, sehr viele tun das Ganze noch ab irgendwie mit Kontrollzwang und denken man löst das, wenn man den Hund an einen Platz verweist. Also wenn man da jetzt nicht gerade Larissa hat, sondern einen Trainer oder Trainerin sucht, dann muss man gucken, dass der wirklich auch dann Verständnis davon hat und seinen Fokus auf das entspannte Alleinebleiben legt und dieses schrittweise aufbauen. Und ja, das andere, was ich ganz wichtig finde, ist, dass man ja, dranbleibt und motiviert bleibt. Und nicht nach einem Monat oder zwei Monaten aufgibt. Also ich weiß, es ist wirklich verdammt anstrengend, wie gesagt, wir sind da anderthalb Jahre eigentlich nur am Trainieren mit dieser kleinen Pause dazwischen und SturmFrei! hat 7 Monate gedauert bei mir und nach diesen sieben Monaten bin ich bei dieser Stunde. Aber jetzt ist es so, dass Gigi das wirklich verstanden hat. Also er kann alleine bleiben. Ich kann das wirklich sagen, er kann alleine bleiben. Die Frage ist nur, wie lange, aber einfach, dass er jetzt diese Stunde kann, bringt mir so viel Freiheiten. Ich war eben beim Arzt ein Rezept abholen, habe mir Kuchen gekauft und war noch im Bauhaus. Und das das hätte ich mir damals echt nicht träumen lassen können. Genau und die letzte Sache, lasst euch nicht verunsichern, wenn jetzt Bekannte oder andere Hundehalter, wenn die kein Verständnis haben oder wie gesagt, mit gut gemeinten Tipps um die Ecke kommen. Ihr kennt eure Hunde am besten. Ihr wisst, was ihr getan habt. Ja und hört nicht auf die schlechte Laune von anderen oder auf irgendwie blöde Witze oder so, weil das zieht einen nur runter.

Larissa: Genau, danke. Bauchgefühl ist ein Riesenthema. Also wie du schon sagst, ihr kennt eure Hunde am besten und hört auf euer Bauchgefühl, was gut ist für euren Hund. Vielen, vielen Dank für die coolen Tipps. Wir kommen zum Ende dieser Podcast-Folge. Ich hoffe, ihr konntet richtig viel mitnehmen und habt einmal so einen super realistischen Blick bekommen in das Leben mit einem Trennungsstresshund, in das Training mit einem Trennungsangsthund sogar. Es ist ja nicht nur Trennungsstress, sondern sogar Trennungsangst. Timea vielen vielen Dank an dich für die mega spannenden Insides. Du weißt, ich habe das, glaube ich, schon fünfmal gesagt, das war mir eine Riesenfreude, mit euch  zusammenzuarbeiten und euch begleiten zu dürfen und ich bin total stolz auf euch und ich hoffe, du bist es auch auf dich. Also es war richtig, richtig cool, was ihr erreicht habt und freut mich total.

Timea: Ja, vielen Dank. Also ich kann den Dank auch nur zurückgeben. Also ja, wie gesagt, ohne dich und ohne die Community hätte ich das nicht geschafft. Und das war wirklich die beste Entscheidung, das zu tun und ja, nochmal vielen Dank für die Podcast-Einladung.

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