5 Dinge, die das Alleinbleiben-Training mit deinem Hund erschweren

In der heutigen Podcast-Folge geht es um 5 Dinge, die das Alleinbleiben-Training bei deinem Hund erschweren können.

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Hey und schön, dass du eingeschaltet hast zu einer neuen Podcast-Folge. Diesmal geht es um Schwierigkeiten, die dem Training gegen Trennungsstress beim Hund im Weg stehen und verzögern können. Ich möchte also mit dir über fünf Dinge sprechen, die dich daran hindern, ein vernünftiges Training aufzubauen oder vielleicht dazu führen, dass du das Training nicht lange genug durchhältst oder dich verunsichern. Also blockierende Auslöser oder Gründe, die sich negativ auf das Training auswirken können. Lass uns also gleich starten!

1. Menschen, die dein Problem nicht ernst nehmen und dementsprechend auch deinen Hund nicht ernst nehmen.

An erster Stelle ist wichtig, dass du deinen Hund ernst nimmst. Meistens hat man da schon so ein Bauchgefühl und du merkst, mein Hund hat da ein Thema und ihm geht’s nicht gut beim Alleinbleiben und das ist weder Trotz noch will mein Hund mich kontrollieren. Man lässt sich da auch gerne von anderen Menschen beeinflussen. Bei mir war’s damals so, als ich gemerkt habe, Seven lernt das Alleinbleiben irgendwie so gar nicht, dass ich auch erst mal mit Menschen aus meiner Umgebung gesprochen habe.

Ich habe dann Freunde und Familie gefragt: „Wie ist es denn bei euch? Wie habt ihr eurem Hund das Alleinbleiben beigebracht?“ Dann kamen meistens diese zwei, drei Tipps: Komm nicht zurück, wenn er bellt und nicht die große Party feiern, wenn du zurückkommst, am besten ignorieren. Und ich habe gemerkt, dass das bei uns alles nicht so funktioniert. Dann habe ich eben auch noch mal nachgefragt und erwähnt, dass es bei uns nicht so läuft und ich das Gefühl habe, wir machen dadurch gar keine Fortschritte und sie hört auch nicht wirklich auf zu bellen, wenn ich warte.

Und dann ging’s halt los, dass die Personen anfingen, mein Training zu verurteilen oder auch zu sagen, der Hund muss da durch. Dann folgen Ratschläge, die dir nicht wirklich helfen, sondern eher kontraproduktiv sind und dich in eine Abwärtsspirale befördern. Das sind eben häufig so Tipps, die in die Richtung gehen, wie: Dein Hund muss da durch, lass ihn weiter bellen und du musst einfach seinen Willen mal brechen und und und. Am Ende stehst du da, hast es alles gemacht und merkst, es ist alles noch viel, viel schlimmer geworden.

Deshalb an der Stelle mein Tipp:

Nimm die Menschen nicht so ernst, die dich nicht ernst nehmen

Ferner, die, die dein Problem und die deinen Hund, also das Thema deines Hundes in dem Moment nicht ernsthaft berücksichtigen. Sie können da nichts für, weil sie keine Erfahrung mit Trennungsstress gemacht haben. Und sie können darüber nichts sagen, eben weil sie nie einen Hund hatten, der nicht alleine bleiben konnte. Das sind häufig Hundehalter:innen, bei denen das relativ easy verlief und die es ihrem Hund beigebracht haben, wobei sie vielleicht auch eine gewisse Zeit eingeplant haben, aber bei denen es nie wirklich ein Thema war.

Gerade jetzt durch die Erfahrung, die ich eben mit den SturmFrei!-Teams gesammelt habe, ist mir immer mehr aufgefallen, dass sich Leute wirklich nur in die Lage versetzen können, wenn sie das Thema auch mal hatten. Deshalb an dieser Stelle mein Tipp für dich: Sprich gerne mit Menschen drüber! Ich finde es sehr, sehr wichtig, sich auszutauschen.

Das ist auch tatsächlich ein ganz großer Mehrwert von SturmFrei!, dass man eben eine Community hat, wo sich ausgetauscht werden kann. Der Hund muss nicht alleine bleiben können und das wird auch gar nicht vordergründig erwartet, sondern es ist wirklich eine Community, die sich gegenseitig stützt und stärkt und Erfolge feiert und auch wieder aufbaut, wenn’s mal Rückschritte gibt.

Such dir Menschen, mit denen du dich austauschen kannst

Wenn du noch nicht bei SturmFrei! dabei bist, dann empfehle ich dir, dir solche Leute zu suchen. Es haben gar nicht so wenig Hunde das Problem mit Trennungsstress. Das heißt, es gibt diese Personen, du bist nicht alleine und es hilft enorm, sich darüber auszutauschen. Zu merken, es gibt andere Menschen, die genau den gleichen Weg gehen, den du eben gerade gehst, bringt dich oft weiter und baut dich auf.

Auf dieser Weise kannst du dafür sorgen, dass du dich motivierst, aufbaust und das spielt auch wieder in das Fass Durchhaltevermögen mit ein. Denn wenn du dich runterziehen lässt von den Ratschlägen, die eben von Leuten kommen, die nicht so viel Ahnung davon haben, dann bist du in dieser eben genannten Abwärtsspirale drin, die auch bei dir irgendwann zu Verwirrung und letzten Endes auch zu Verzweiflung führt. Das endet dann häufig so, dass man das Alleinbleiben-Training völlig aufgibt und denkt und irgnedwo schon akzeptiert, mein Hund kann das nicht lernen.

Deshalb noch einmal an dieser Stelle: Finde Leute, die dieselben Erfahrungen gemacht haben oder machen und suche nach dem Gespräch. Genauso wichtig ist es, nicht auf diejenigen zu hören, die das negativ reden und sich eher an die Menschen hängen, die das ähnlich sehen und Verständnis für dich haben. Wo du dich auch einfach mal auskotzen kannst, weil das gehört schließlich auch dazu. Das ist ein langwieriger Prozess und man muss sich auch einfach mal austauschen können und sich darunter unterhalten, was schlecht läuft und wie es einen belastet.

2. Stress und Zeitmangel im Alltag

Ich glaube, das kennen wir alle super super gut. Gerade in Deutschland fällt mir immer wieder auf, dass doch viele Menschen, inklusive mir, hier sehr gestresst sind. Mir fällt woanders immer auf, zum Beispiel in Spanien, dass das Leben einfach etwas mehr „easy“ und lockerer ist und die Zeit nicht so streng genommen wird wie in Deutschland. Zurück hier angekommen, erwartet einen immer eine starke Umstellung.

Unsere Gesellschaft hier ist doch sehr leistungsgetrieben und auch sehr pünktlich ist. Dafür sind wir weltweit auch bekannt. Die Deutschen sind sehr pünktlich und dies führt bei vielen zu Stress und Zeitmangel im Alltag. Und jetzt um Bezug aufs Training zu nehmen – im Kontext des Stresses ist es einfach so, dass wenn du jemand bist, der grundsätzlich viele Termine hat und der Tag sehr strukturiert ist, dann ist das Training eine zusätzliche Aufgabe, die erledigt werden muss.

Das kann aber eben dazu führen, dass du eine feste Zeit eingeplant hast: Zum Beispiel morgen um 13.30 Uhr wird für zehn Minuten trainiert. Dein Hund ist aber in dem Moment überhaupt nicht entspannt und merkt auch, dass du selbst eigentlich super im Stress bist, weil du um 13.50 Uhr zum Beispiel wieder den nächsten Termin hast und für dich nur ein Haken hinter dem Training machen möchtest.

Dieser Stress, den du dann eben selbst empfindest, wird vom Hund sehr angenommen – bedeutet deinem Hund wird’s dann in dem Moment sehr schwerfallen, in die Entspannung zu gehen und zu sagen, ja klar, ich bleibe jetzt super entspannt hier liegen, während du, keine Ahnung, von A nach B flitzt und halt eben schon deine nächsten drei Termine des Tages aufm Zettel hast.

Deshalb an dieser Stelle der Tipp

Weniger ist mehr

Mach am besten eine Kombination aus Planung und ein bisschen Flexibilität. Ich finde Planung bei dem Thema grundsätzlich sehr wichtig, weil sonst kann’s eben auch passieren, dass man auf einmal so viele Termine in der Woche hatte und sich das Trennungsstresstraining eben nicht eingeplant hat. Die Woche ist dann schon wieder rum und man steht da und denkt: Mist, ich habe wieder nicht trainiert. Ich habe meinem Hund wieder nicht dabei geholfen, entspannt alleine zu bleiben. Deshalb finde ich das schon ganz gut, sich grobe Termine zu blocken, aber in dem Moment dann halt zu schauen

  • Ist mein Hund jetzt entspannt?
  • Macht es Sinn, jetzt zu trainieren?
  • Bin ich entspannt?

Es ist enorm wichtig ist, dass du selbst entspannt bist. Was du auch machen kannst, sind spontane Trainings. Gerade Personen, die sich selbst durchs Training schon einen gewissen Druck aufbauen, also die merken, sie fühlen sich selbst anders, wenn sie jetzt offiziell ein Training machen. Diese funktionieren besonders gut, wenn du beispielsweise aus dem Homeoffice arbeitest und sowieso daheim bist.

Dann kannst du dich selbst überlisten, wenn du vielleicht vorm PC sitzt und grade zehn Minuten Pause hast oder sie dir nimmst. Wenn dein Hund entspannt daliegt, kannst du genau dann spontan ein Training einlegen. Zumal hat es den Vorteil, dass es dann auch nicht so diesen Trainingscharakter hat, als wenn du dir das offiziell vornimmst und um 13.45 Uhr musst du jetzt trainieren und dein Hund muss jetzt entspannt sein.

Kombination aus Planung, Flexibilität und Spontanität

Wenn du dir Trainings blockst, also auch einplanst und vielleicht morgen nach dem Mittagsspaziergang mit deinem Hund noch einmal eine Runde entspanntes Alleinbleiben trainieren möchtest, dann empfehle ich dir da auch lieber zu viel Zeit einzuplanen als zu wenig. Denn Auslastung ist für den Hund genauso wichtig wie Ruhe; was viele Hunde wirklich brauchen ist eine gewisse Ruhephase nach der Auslastung, um richtig in die Entspannung reinzukommen.

Also da würde ich nicht sagen, ihr seid wieder drin und fünf Minuten später startest du das Training. Es ist natürlich super individuell bei Hunden. Viele Hunde brauchen so 30 bis 60 Minuten, um wirklich auch vom Hormonhaushalt auf einem Level zu sein, wo sie wirklich entspannt sind und wo du wirklich dann das beste Training rausholen kannst.

Also Punkt Nummer zwei, achte drauf, wie viel Stress und Zeitmangel du hast und versuche nach Möglichkeit, es nicht mit ins Training einfließen zu lassen. Da ist auch weniger mehr, wenn du die Woche betrachtest. Also dann lieber 2 bis 3 Trainings pro Woche als unbedingt fünf Trainings pro Woche machen zu müssen. Wichtig sind uns immer qualitativ hochwertige Trainings. Damit meine ich auch wirklich entspannte Trainings von deiner Seite aus.

3. Zu hohe Erwartungen an das Alleinbleiben

Das ist mega menschlich. Wenn sich jemand bei mir meldet, sieht es häufig so aus:

X: Ich würde ganz gerne, dass mein Hund innerhalb von sechs Monaten so auf vier bis fünf Stunden Alleinbleiben kommt

Ich: Wo steht denn dein Hund jetzt gerade?

X: Der läuft mir ganz viel hinterher und der kann auch nicht bei anderen Menschen bleiben. Der hat dann schon Stress, wenn er mich nicht sieht. Aber das wäre schon cool, wenn wir das schaffen

An der Stelle ziehe ich leider immer den Zahn, was mir auch ein bisschen leidtut. Es ist jedoch sehr unrealistisch, dass dein Hund innerhalb von sechs Monaten auf 4 bis 5 Stunden kommt, wenn er intenisv unter starkem Trennungsstress leidet und schon bei anderen Menschen Stress hat.

Mein Trainingsziel in SturmFrei!

… ist gar nicht, dass wir den Hund auf eine gewisse Zeit bringen, sondern dass wir natürlich Fortschritte machen. Du lernst und verstehst, wie das Training geht, fühlst dich einfach sicher und weißt genau, was du bei Rückschritten zu tun hast. Wenn ich vorher etwas versprechen würde, beziehungsweise eine bestimmte Zeitspanne festlegen würde, wäre das super unseriös, weil jeder Hund anders ist.

  • Worauf musst du achten?
  • Was sind die Faktoren, die sich darauf auswirken können?
  • Wie machst du dann weiter?
  • Wie verhältst du dich, dass du über mindestens sechs Monate gemeinsam mit mir so eine Sicherheit entwickelst, dass du genau weißt, wie du danach weiter trainieren sollst.

Erwartungen sind normal

Wenn du jetzt merkst, dass du auch hohe Erwartungen an deinen Hund hast, dann mach dich dafür nicht schlecht oder klein. Das ist am Anfang total normal, weil man einfach gar nicht so drin steckt und häufig das Wissen über Trennungsstress noch nicht hat. Aber ich kann dir sagen, es ist gut, da die Erwartungen runterzuschrauben, weil das deinem Hund im Training hilft.

Gestern hat dein Hund vielleicht 20 Minuten geschafft und heute willst du diesen zehn Minuten Sprung auf 30 schaffen, dann sind das für den Hund unter Umständen relativ hohe Erwartungen.

Du bringst ein wenig Unruhe mit ins Training, wenn du so etwas ausstrahlst. Natürlich ist das ein Anspruch, den du deinem Hund zu spüren gibst und das kann ihn verunsichern und es ihm erschweren, in die Entspannung zu gelangen. Deshalb ist mein Tipp da, dich immer an folgenden Satz zu erinnern. Der hat mir damals super doll geholfen und ich finde den auch richtig, richtig gut.

Jedes Training, welches positiv ist, ganz egal wie lange, ist ein gutes Training auf dem Weg zum entspannten Alleinbleiben

Also jedes Training, bei dem dein Hund nicht in Stress gerät, spielt ein in das große Ziel, mein Hund kann irgendwann entspannt alleine bleiben.

Erzwing nichts

Schließlich ist es unser Ziel, dass unsere Hunde stressfrei zuhause bleiben. Wenn du jetzt mit einer großen Erwartungshaltung ins Training gehst und deinen Hund pushst und pushst und pushst, dann kann ich dir mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass du deinen Hund eher über seine Schwelle hinaus drängst. Genauer gesagt über seine Reitschwelle hin zum Stress und dann ist es kein entspanntes Training mehr und du erreichst nämlich genau das Gegenteil von dem, was du möchtest.

Dein Hund hat dann eine negative Erfahrung beim Alleinbleiben. Das heißt, es kommt aufs Minuskonto und dieses wiegt leider sehr viel schwerer beim Alleinbleiben-Training als das Pluskonto. Damit meine ich, wenn du jetzt ein wirklich negatives Alleinbleiben hast, nehmen wir mal wirklich den Worst Case: Dein Hund ist eine Stunde alleine, er kann gar nicht alleine bleiben und er bellt eine Stunde durch. Dann ist das ein sehr schlimmes Erlebnis für deinen Hund und das kannst du leider nicht mit einem positiven Training ausgeglichen. Zu jedem negativen Alleinbleiben brauchen wir viel, viel mehr positive Alleinbleiben-Zeiten, um dieses eine Mal auszugleichen.

Erinnere dich da immer wieder dran und sag dir:

Weniger ist auch in diesem Fall mehr

Lieber zu kleine Schritte, aber dafür positive Schritte, weil sie Vertrauen aufbauen und in diesem Training zum entspannten Alleinbleiben geht es schlicht und einfach um Vertrauen. Das alles, was wir machen, ist Vertrauensaufbau, damit dein Hund darin das Vertrauen erlangt, dass er beim Alleinbleiben sicher ist. Entsprechend kann er sich dann auch entspannen. Also da wirklich die Erwartungen zurückschrauben. Weniger ist mehr. Jedes positive Training ist ein gutes Training. Egal, wie lange es war.

4. Demotivierende Rückschritte beim Alleinbleiben-Training

Punkt Nummer vier, der wirklich große Auswirkungen haben kann – teilweise so groß, dass das Training komplett abgebrochen wird und gesagt wird, mein Hund lernt das Alleinbleiben nicht – sind demotivierende Rückschritte. Keiner mag sie, sie gehören aber leider dazu. Ich hatte noch keinen Hund im Training, wo es nur bergauf ging. Wo es nicht mal eine Zeit gab, wo’s ein bisschen zurückging oder wo’s mal stagnierte. Das gibt es de facto nicht, weil Hunde einfach auch Lebewesen sind. Hunde haben gute Tage, Hunde haben schlechte Tage, auch Hunden geht es mal nicht so gut.

Nimm Rücksicht

Wir merken nicht mal so, wenn es unserem Hund schlecht geht, da sie es natürlich nicht wie Menschen verbal äußern. Ein Hund steht nicht auf und sagt, ich habe heute Kopfschmerzen oder mir geht’s nicht so gut. Das fällt uns oft erst auf, wenn wir wirklich eine Änderung im Verhalten wahrnehmen. Vielleicht kennst du das von dir selbst, es gibt Tage, an denen stehst du auf und bist einfach nicht so gut drauf, wie den Tag davor. Du hast leichte Kopfschmerzen, verhältst dich noch normal, aber dir geht’s einfach nicht so gut wie sonst und so kann das bei Hunden eben auch sein.

Das kann sich dann ganz subtil im Alleinbleiben-Training zeigen und du merkst, dein Hund ist vielleicht unruhiger, ihm geht’s nicht so gut oder du weißt gar nicht, warum er heute nicht so gut alleine bleiben kann. Das demotiviert natürlich total. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Das ist einfach so. Aber ich finde es an der Stelle auch ganz wichtig, dass du dir Fortschritte vor Augen führst. Dies kannst du mit einer Excel-Tabelle, wo du dir auch grafisch anzeigen lassen kannst, was für eine Entwicklung ihr gemacht habt. Was habt ihr schon erreicht? Also wirklich den Fokus immer wieder darauf legen, wo steht ihr jetzt und wo seid ihr gestartet?

Lass dir Zeit

Natürlich darf’s auch mal sein, dass du vom Training genervt bist, dass du sagst, das kotzt mich jetzt ehrlich gesagt an, dass wir Rückschritte haben. Gar keine Frage, aber dann nimm dir den Tag, um eben demotiviert zu sein und schaue am nächsten Tag auf die Tabelle und sag dir selbst, dass es gar nicht so schlecht ist. Wir sind bei 0 Minuten gestartet und jetzt vielleicht schon bei 16 Minuten. Du solltest dich darin trainieren, den Blick immer wieder aufs Positive zu richten und gleichzeitig aber auch schauen, ob es bestimmte Ursachen für die Rückschritte gibt?

Mögliche Gründe für Rückbildung

Das kann ein Wetterumschwung sein: Das hatten wir gerade in SturmFrei!, dass da zwei, drei Hunde sehr stark auf Wetter, auf den Wetterumschwung reagiert haben. Deshalb schau auf solche Dinge: Zum Beispiel wie sich dein Hund verhält, gerade im Alltag, wenn du dabei bist? Noch mal mit dem Wetterbeispiel: Wir haben einen Hund im Programm, der sehr viel in der Gegend rumschaut, sich auch gerne mal umlegt. Als es dann wärmer wurde, hat er das sehr häufig getan. Ihm wurde es dann auf seinem Platz viel zu warm und auch wenn Frauchen dabei war, hat er sich in den Flur gelegt. Es war da aber immer noch zu warm, woruafhin er sich wieder umgelegt hat. Der hat im Alltag also vermehrt Unruhe gezeigt und genau das Gleiche konnten wir im Training beobachten.

Da ist es notwendig, immer zu differenzieren. Ist das jetzt ein Verhalten, was der Hund zeigt, weil du weg bist, also aufgrund deiner Abwesenheit und aufgrund des Stresses oder ist es vielleicht gerade ein Zeichen, dass er generell etwas Unwohlsein verspürt? Dass er nicht so gut zurechtkommt, was eben dazu führt, dass er sich häufiger umlegt, wenn du dabei bist.

Nichtsdestotrotz, ganz egal, woran es jetzt liegt, würde ich im Training darauf Rücksicht nehmen und sagen, dein Hund hat da grade ein Thema, zum Beispiel mit dem Wetterumschwung oder läufige Hündinnen (ganz, ganz schwieriges Thema für Rüden oder auch läufige Hündinnen für sich selbst). Auch da ist hormonell ja ganz viel im Gange, dass du einfach dann siehst, da ist gerade was bei deinem Hund los. Du bemerkst das auch an seinem Verhalten sonst und du nimmst im Training Rücksicht. Peil jetzt nicht unbedingt die großen Fortschritte in der Zeit an, sondern festige erst mal die Basics, also das, was du bisher erreicht hast.

5. Dein eigenes Selbstvertrauen

Der letzte Punkt für heute ist ein kleiner Denkanstoß. Es gibt Leute, die der Meinung, sind, dass es so etwas wie Trennungsstress bei Hunden gar nicht gebe und dass es nur ein Hundehalterthema im Kopf des Hundehalters ist und davon halte ich ehrlich gesagt nicht viel.

Was ich aber schon beobachte, ist, dass das Thema Trennungsstress mit dem Hundehalter etwas macht und das ist meistens nichts Positives. Trennungsstress, die Meinungen von außen und die ganzen Internettipps  führen dazu, dass man stark verunsichert ist. Ohnehin ist das schon eine Situation, die für einen selbst sehr belastend ist, weil man ja so stark in der Freiheit eingeschränkt ist. Vor allem, wenn man jetzt nicht unbedingt noch eine:n Partner:in hat, sondern wirklich alleine mit dem Hund ist und dementsprechend alles selbstständig um den Hund herum organisieren muss.

Auswirkungen auf dich

Worauf ich hinaus möchte ist, dass es wirklich auch was mit dir macht. Das gibt dir das Gefühl, eingeschränkt, abhängig von deinem Hund zu sein. Beziehungsweise dein Hund ist abhängig von dir und du aber gleichzeitig auch von ihm, weil du nichts machen kannst, ohne dass du deinen Hund sozusagen weg organisiert hast. In Gedanken bist du wahrscheinlich ständig bei deinem Hund. Vor allem, wenn dein Hund bei anderen Menschen nicht alleine bleiben kann und das alles ist auch so eine Abwärtsspirale, die dazu führen kann, dass dein Fokus sehr, sehr stark auf deinem Hund ist. Infolgedessen kannst du deinen Hund selbst gar nicht so gut loslassen.

Gar nicht, weil das von Anfang an so war, sondern weil dieses Trennungsstressthema einfach für einen selbst so herausfordernd ist. Es kann an dieser Stelle sein, dass du den Glauben daran verlierst, dass dein Hund das Alleinbleiben schaffen kann, weil du einfach so viel Erfahrung damit gemacht hast, dass er’s eben nicht schafft. Nach gewisser Zeit verankert sich das ziemlich fest bei dir. Du glaubst nicht mehr wirklich daran, dass dein Hund das schaffen kann. Glaub mir, es ist super wichtig, dass du ganz fest daran glaubst, dass dein Hund das schaffen kann, weil da wären wir wieder beim Thema mit der Ausstrahlung deinem Hund gegenüber.

Es fängt bei dir an

Wenn du ins Training gehst und du denkst, das wird er eh nicht schaffen, dann strahlst du das aus. Wenn du aber reingehst und sagst, mein Hund wird es irgendwann schaffen. Es ist mir egal, wie lange, aber er wird es schaffen, dann hast du eine gewisse Sicherheit. Ich habe da auch eine Übung, die kannst du aber auch googeln. Zwar gibt es viele, aber hierbei geht es um die Visualisierungsaufgabe, bei der du dir wirklich immer wieder vorstellst, und zwar so bildlich wie möglich, dass dein Hund alleine bleiben kann.

Der Trick an der Sache ist nämlich, dass dein Gehirn nicht unterscheidet zwischen „das habe ich wirklich erlebt“ und „das habe ich mir vorgestellt, erlebt zu haben“. Also die Bereiche, die verantwortlich sind für, habe ich mir vorgestellt und habe ich wirklich erlebt sind die Gleichen. Das heißt, es wird genau gleich verarbeitet und du kannst eben dein Gehirn darauf trainieren, dass es daran glaubt, dass dein Hund entspannt alleine bleiben kann, weil du es dir visualisierst. Das ist ein ganz kraftvolles Tool, was ich dir mit an die Hand geben möchte, wenn du merkst, du hast da ein Thema mit deinem Hund: Loslassen oder selbst daran glauben, dass es funktionieren kann.

Meditationsapps

Du kannst da auch mal nach Meditationsapps schauen, falls das dein Ding ist. Das ist nur ein Tool von vielen, was dazu beiträgt, das eigene Selbstvertrauen zu stärken. Es gibt da mittlerweile viele Apps, die gut angeleitete Visualisierungen haben. Da gibt es unter anderem Headspace, die App mag ich selbst sehr gerne. Und dann denkst du dir eben den Teil mit: Mein Hund ist gerade entspannt alleine zu Hause dazu.

Oder du schaust wirklich nur mal nach anderen Tools, die dir dabei helfen, das Selbstvertrauen und auch das Vertrauen deinem Hund gegenüber zu entwickeln. Glaub daran, dass er das packt und wirklich entspannt alleine bleiben kann. Das ist immer so ein kritisches Thema. Du sollst aber wissen, dass ich es absolut nicht infrage stelle, dass das Thema beim Hund ist und dass Trennungsstress am Hund verankert sein kann.

Es gibt auch schon Studien dazu, die eben die genetische Prädisposition des Hundes in Bezug auf Trennungsstress untersuchen. Ich bin aber genauso fest davon überzeugt, dass wir als Hundehalter:innen ab einem gewissen Punkt auch das Ding nicht unbedingt besser machen Gerade weil wir einfach so stark davon beeinflusst werden und ich denke, dass es positive Auswirkungen haben kann, wenn du parallel zum Training an deinem Selbstvertrauen arbeitest, was das Training betrifft.

Und das waren die fünf Dinge, die das Training gegen Trennungsstress beim Hund erschweren. Ich gehe sie abschließend erneut im Schnelldurchlauf durch.

  1. Menschen, die dein Problem nicht ernst nehmen und die gleichzeitig deinen Hund nicht ernst nehmen
  2. Stress und Zeitmangel im Alltag, welche sich eben ins Training übertragen können
  3. Zu hohe Erwartungen, die du ins Training mit reinbringst und an deinen Hund hast
  4. Demotivierende Rückschritte
  5. Dein eigenes Selbstvertrauen in Bezug auf das Training

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